Der Weg zur Fleischmann Modellbahn HO

Die Wurzeln bei der Spur 0

Im Jahre 1938 bekam die Firma Fleischmann durch die Übernahme der Firma Doll&Co. aus Nürnberg Berührung mit dem Thema Spielzeugeisenbahn. Doll&Co. hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Spielzeugeisenbahn in der Spurweite 0 auf dem Markt, die aber nur eine 2-achsige Schlepptender-Dampflok und einige 2-achsige Wagen anbot. (Quelle: Fleischmann Chronik "100 Jahre Fleischmann" aus dem Jahre 1987).
Die geplante Umwandlung dieser Bahn in eine "echte" Spur 0 Modelleisenbahn, mit maßstabsmäßigen Loks und Wagen, musste dann von Fleischmann aber kriegsbedingt aufgegeben werden.

Als dann Fleischmann 1949 eine neu konzipierte Spur 0 Eisenbahn vorstellte hatte man aufgrund der Situation nach dem Kriege (geringe Einkommen, beengte Wohnsituation in breiten Bevölkerungskreisen) wieder "nur" eine Spielzeugeisenbahn im Programm, aber eben schon als 2-Leiter Gleichstromsystem. Das war damals durchaus nicht selbstverständlich, da die Konkurrenz auf 3-Leiter Wechselstrom mit eben vorbildwidrigen Mittelleiter setzte. Der wesentliche Vorteil des Gleichstromsystems war natürlich die vorhersehbare Fahrtrichtung des Zuges je nach Stellung des Fahrreglers am Trafo.

Diese Spur 0 Bahn kann als Vorläufer der späteren Modellbahn H0 gelten:
Lokomotiven und Wagen waren den Vorbildern der (noch) Deutschen Reichsbahn nachempfunden. Das Schienensystem war vorbildorientiert als 2-Schienengleis ( Hohlprofilschienen auf Pappschwellen) konstruiert worden. Alles in allem konnte man mit den Schienen, Weichen, Kreuzungen, Entkupplunggleisen und Prellbock eine komplette Eisenbahnanlage aufbauen. Die Stromabnahme erfolgte über die Räder, ein eigener Trafo gehörte ebenfalls zum Lieferumfang dazu.

Allerdings war diese Systembahn mit stark verkürztem Lägenmaßstab und mit einem sehr engen Kurvenradius konzipiert worden und damit für den am Vorbild orientierten Modellbahner nicht so interessant. Diese Eisenbahn war zwar ein tolles und technisch ausgereiftes, hochwertiges (Kinder-)Spielzeug, aber keinesfalls als Modelleisenbahn anzusehen.

1952: Die "echte" Modellbahn H0 ist da

Zur Nürnberger Spielwarenmesse 1952 wird als Sensation endlich die erste Modellbahn in Spur H0 als 2-Leiter Gleichstromsystem vorgestellt. Dies war damals durchaus sensationell: Annähernd massstäblich den Vorbildern der damaligen jungen Bundesbahn nachgebildet war diese Systembahn nun auch für Modellbahner interessant. Ein eigener Katalog zeigt die ersten Modelle, die für dieses neue System auf den Markt gekommen sind.

HO Katalog von 1952
Deckblatt des ersten HO-Kataloges von 1952

Verschiedene Komponenten wurden aus der Spur 0 Eisenbahn entnommen und an den neuen Massstab angepasst, wie z.B. der rechteckige Motor, die Kupplung und die Hohlprofilschienen auf Pappschwellen sowie die Weichenantriebe. Auch die Räder der Wagen waren wie bei der Spur O Bahn zunächst nur zapfengelagert.

Der Erfolg dieser Modellbahn führte sehr schnell zu einem regelrechten Boom, auch die Zubehörindustrie profitierte davon. Der eindeutige Verlierer war aber die Spur 0 Bahn. Es gab kaum noch Interesse dafür, so dass bereits 1959 diese Bahn von Fleischmann aus dem Programm genommen wurde. Fortan konzentrierte man sich nur noch auf die H0 Modelleisenbahn.

Auf den nächsten Seiten wird der Werdegang der Fleischmann Bahn Spur H0 von 1952 bis 1962 beschrieben, kann aber natürlich nur einen Ausschnitt des ganzen Programms wiedergeben. Der Sammlertreff wünscht viel Spaß beim Lesen!

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Letzte Aktualisierung am: 21.10.2011 - (C) Sammlertreff